Kaffee kochen, Blumen gießen, den Weg zum Gerichtsgebäude finden - dies sind nach einem gängigen Klischee die drei Grundfähigkeiten, die eine gute Rechtsanwalts- und Notariatsfachangestellte (ReNo-Fachangestellte) beherrschen muss. Ein genauer Blick auf Tätigkeit und Ausbildung in diesem Beruf zeigt jedoch, dass dieses Vorurteil natürlich nicht stimmt, auch wenn die genannten Tätigkeiten sicher in jeder Rechtsanwaltskanzlei vorkommen.

Welche Tätigkeiten muss eine ReNo-Fachangestellte in der Kanzlei verrichten?

Rechtsanwälte haben die Hauptaufgabe, ihre Mandanten juristisch zu beraten sowie außergerichtlich und gerichtlich zu vertreten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Tätigkeit als Verteidiger im Strafprozess und als Prozessbevollmächtigter im Zivilprozess, aber auch vor den Arbeits-, Sozial-, Verwaltungs- und Finanzgerichten bis hin zur Verfassungsgerichtsbarkeit.

Aus dieser Beratungs- und Vertretungstätigkeit leitet sich eine Vielzahl von Verwaltungstätigkeiten ab, von denen sich der Rechtsanwalt entlasten muss, damit er sich auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren kann. Für jeden Mandanten muss eine Akte angelegt werden, aus der ersichtlich ist, was bisher im konkreten Fall unternommen wurde. Der Rechtsanwalt muss Schriftwechsel führen mit seinen Mandanten, mit den Gegnern, den Versicherungen und den Gerichten. Termine und Fristen müssen überwacht und eingehalten werden. Nicht zuletzt werden Kostenrechnungen nach den Vorschriften des RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz) erstellt. Der Rechtsanwalt ist verpflichtet, ordnungsgemäß Bücher zu führen, um mit dem Finanzamt Steuern abrechnen zu können. Diese verwaltenden Tätigkeiten bilden das Wirkungsfeld der Rechtsanwaltsfachangestellten. Viel stärker als in anderen Bürotätigkeiten spielen dabei gesetzliche Vorschriften eine Rolle. Neben guten Kenntnissen in der allgemeinen Büroorganisation braucht daher die Rechtsanwaltsfachangestellte ein umfangreiches Wissen über die juristischen Grundlagen ihrer Tätigkeit.

Wie sieht die Ausbildung zur ReNo-Fachangestellten an unserer Schule aus?

Die Ausbildung dauert drei Jahre, eine Verkürzung kommt nur selten vor, weil der Stoff in der Regel zu umfangreich ist.

  • Im ersten Ausbildungsjahr erfolgt der Berufsschulunterricht an zwei Tagen (montags und donnerstags mit jeweils 8 Schulstunden).
  • Im zweiten Ausbildungsjahr reduziert sich der Unterricht auf einen Wochentag (dienstags) mit 8 Schulstunden.
  • Im dritten Ausbildungsjahr erfolgt im 1. Schulhalbjahr wieder eine zweitägige Beschulung (mittwochs und freitags) mit insgesamt 16 Wochenstunden und im 2. Halbjahr dann nur noch am Freitag mit 8 Schulstunden

Die Unterrichts- und Prüfungsfächer sind:

Fachkunde, Rechtslehre, Rechnungswesen, Wirtschaftslehre, fachbezogene Informationsverarbeitung und Politik.

Im 1. Ausbildungsjahr werden zudem die Fächer Sport und Kommunikation unterrichtet; im dritten Ausbildungsjahr erfolgt dann noch der Unterricht im Fach Wirtschaftsenglisch.

Im ersten Halbjahr des 2. Ausbildungsjahres findet vor der Rechtsanwaltskammer eine Zwischenprüfung statt, am Ende des 3. Jahres die Abschlussprüfung mit folgenden Teilen:

Anwaltsfachkunde mit Gebührenrecht, Notariatsfachkunde mit Gebührenrecht, Recht/Wirtschaftslehre/Politik und Informationsverarbeitung. Eine mündliche Prüfung findet in allen schriftlichen Fächern außer in Informationsverarbeitung statt.
Die Abschlussprüfung dürfte somit eine der umfangreichsten der an unserer Schule angesiedelten Ausbildungsberufe sein!

Im Mittelpunkt der Ausbildung und der Prüfung steht der Gesetzestext, vor allem das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), die Zivilprozessordnung (ZPO), das Gerichtskostengesetz (GKG) und das bereits erwähnte Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG).

Nach ihrer Ausbildung findet die ReNo-Fachangestellte ein breites Tätigkeitsfeld bei einem Rechtsanwalt oder Notar, aber auch in den Geschäftsstellen der Gerichte sowie bei Banken und anderen mit juristischen Fragen operierenden Betrieben ist sie wegen ihrer fundierten Gesetzeskenntnis gesucht.

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